Das zentrale Learning aus der BSFZ-Antragsarbeit: Alles muss wie Forschung klingen, nicht wie Entwicklung. Die Bescheinigungsstelle prüft nach den drei Frascati-Kriterien – Neuartigkeit, technisches Risiko und Planmäßigkeit. Dieselbe Tätigkeit kann je nach Formulierung förderfähig sein oder abgelehnt werden.
Die Faustregel
Wenn ein Satz auch in einem Produktdatenblatt oder einer Stellenanzeige stehen könnte, muss er umformuliert werden. Beschreiben Sie nicht das Produkt, sondern die Wissenslücke, die Forschungsfrage und das technische Risiko.
Vokabular: vorher → nachher
| Entwicklungssprache (vermeiden) | Forschungssprache (verwenden) |
|---|---|
| „Suche funktionierte nicht“ | „Retrieval-Verfahren erreichten nicht die definierten Precision/Recall-Schwellenwerte“ |
| „Feature X eingebaut“ | „Hypothese X prototypisch implementiert und evaluiert“ |
| „Tool / Produkt / Software“ | „Prototyp / Evaluationsplattform / Forschungsumgebung“ |
| „Projekt gescheitert“ | „Hypothese widerlegt, Erkenntnis dokumentiert“ |
| „Wir haben gebaut“ | „Es wurde prototypisch implementiert und evaluiert“ |
| „Stand der Technik: X konnte Y nicht“ | „Marktanalyse [Jahr]: Systeme beschränkten sich auf …“ |
Mit der Wissenslücke beginnen
Der häufigste Fehler in Feld 1 ist der Einstieg mit dem Produkt. Besser ist die Struktur Problem → Wissenslücke → Forschungsansätze:
- Schlecht: „Ziel ist die Entwicklung einer zentralen Plattform …“
- Gut: „Wissenslücke: Ob und wie heterogene Unternehmensdaten durch eine adaptive Plattform so gebündelt werden können, dass sie quellenübergreifend durchsuchbar werden.“
Risiken wissenschaftlich formulieren
Nur wissenschaftlich-technische Risiken zählen – nicht „Feature X ging nicht“ und nicht wirtschaftliche Risiken. Nutzen Sie konkrete Fachbegriffe (Precision, Recall, Accuracy, Schwellenwert) und formulieren Sie: „Ob [technische Frage] – [Ergebnis bzw. offener Status]“.
Neuartigkeit belegen – nicht behaupten
„Unsere Lösung ist innovativ“ ist keine Neuartigkeit im Sinne der BSFZ. Gefragt ist ein nachvollziehbarer Beleg: Was war der Stand der Technik (mit Jahr), und was genau geht darüber hinaus? Beschreiben Sie die konkrete technische Kombination und ihren Nutzen – nicht das Marktversprechen.
- Schlecht: „Am Markt gab es nichts Vergleichbares.“
- Gut: „Verfügbare Verfahren (Stand 2023) lösten Teilproblem A, versagten aber bei Bedingung B; neuartig ist die Kombination aus C und D, die B erstmals adressiert.“
Planmäßigkeit zeigen
Das dritte Frascati-Kriterium wird oft vergessen. Die BSFZ will erkennen, dass systematisch und nach Methode geforscht wurde – in Forschungsphasen mit Hypothesen und Prüfschritten, nicht in einer bloßen Arbeitspaket-Liste. Formulieren Sie den Erkenntnisweg: Hypothese → Untersuchung → Ergebnis (auch negatives) → Anschlussfrage.
Warum saubere Formulierung Ablehnungen verhindert
Fast alle vermeidbaren Ablehnungen gehen auf Produkt- statt Forschungssprache, vage Neuartigkeit oder wirtschaftlich statt technisch begründete Risiken zurück – siehe die häufigsten BSFZ-Ablehnungsgründe. Kommt eine Nachforderung, ist die Frist kurz; deshalb muss schon der Erstantrag in Forschungssprache sitzen.
Genau diese Übersetzung übernehmen wir in der Komplettbetreuung – branchenspezifisch, siehe unsere Branchenseiten. Rechnen Sie parallel Ihr Potenzial im Pauschalrechner durch.
Häufige Fragen zur Formulierung
Warum ist die Formulierung so entscheidend?
Die BSFZ prüft nach wissenschaftlichen Kriterien (Frascati-Handbuch). Ein Text, der auch in einem Produktdatenblatt oder einer Stellenausschreibung stehen könnte, wird abgelehnt. Dieselbe Arbeit kann je nach Formulierung förderfähig sein – oder nicht.
Was gehört in das Feld „Neuartigkeit“?
Eine wissenschaftliche Marktanalyse mit Zeitbezug: Was gab es (Stand der Technik, mit Jahr)? Was fehlte? Was ist konkret neuartig – also welche technische Kombination bringt welchen Nutzen? Nicht nur, DASS etwas neuartig ist, sondern WAS.
Darf ich ein gescheitertes Projekt beschreiben?
Ja – gescheiterte Ansätze sind sogar starke Belege für technisches Risiko. Formulieren Sie sie als widerlegte Hypothese mit dokumentierter Erkenntnis, nicht als „Bug“ oder Produktmangel.